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Vom Wolf zum Collie im Viktorianischen Zeitalter

© Copyright Beate Rosenbach

1. Stammvater Wolf

Manchmal kann man den Eindruck bekommen, dass besonders die Amerikanischen Collies sich viele positive Eigenschaften ihres Stammvaters Wolf bewahrt haben. Als hochbeinige, elegante, wendige Läufer mit feiner Sinneswahrnehmung und hoher Intelligenz liegt man da gar nicht ganz so falsch, wenn man sich die Stammesgeschichte anschaut. Wölfe (Canis lupus) gibt es wohl schon seit 100.000 Jahren, also bereits in der Altsteinzeit (Mittel- bis Jungpaläolithikum im Pleistozän). Genetische Untersuchungen zeigen, dass der Ursprung unserer Hunde vor allem bei den damaligen Sibirischen Wölfen aus dem östlichen Eurasien zu suchen ist. Die weiten Steppenlandschaften waren ideal für sie und ihre Beutetiere, die vorwiegend in größeren Herden umherzogen. Nahrungskonkurrenten, wie Bären und Säbelzahntiger waren vorrangig als Einzelgänger unterwegs. Die Wölfe dagegen waren schlau genug, sich in Sozialverbänden zusammen zu tun, auf Basis gemeinsamer Interaktionen und Aufgabenverteilung. Das verschaffte ihnen viele Vorteile, wie z.B. eine strategische gemeinsame Jagd (Nahrungsbeschaffung), der Schutz in der Gruppe (Erkennen, Vermeiden und Abwehren von Gefahren), sowie die Optimierung der Aufzucht von Nachwuchs (kein allein lassen, gemeinsames großziehen und Nahrungsversorgung). Aber sie waren nicht die einzigen, denn auch die sich zunehmend breitmachenden Menschen wussten all diese Vorzüge zu schätzen, machten Jagd auf die gleichen Beutetiere, lebten in Sozialverbänden und führten einen nicht ganz unähnlichen Lebensstil. So gab es schon damals viele Parallelen, aber es sollte noch ganz anders kommen.

 

 

2. Schwere Zeiten

Nicht immer waren für Wolf & Mensch die Überlebensbedingungen ideal. Vor allem die Folgen von klimatischen Veränderungen machte ihnen zu schaffen, denn oftmals wurde den Beutetierherden ihre Nahrungsgrundlage entzogen, mit der sich ändernden Vegetation. Längere Kältewellen in der Altsteinzeit führten zu vorübergehenden geografischen Isolierungen und/oder zu Abwanderungen in gemäßigtere Regionen. Klimaerwärmungen führten zum Auftauen von Permafrostböden, die so teilweise unzugänglich wurden. Am schlimmsten traf es die Gebiete weiter westlich am Ende der Eiszeit (LGM - letztes glaziales Maximum) im Übergang zur Mittelsteinzeit (Mesolithikum im Holozän). Das Tauwasser der schmelzenden Gletscher verwandelten die Tundra in Feuchtgebiete (Taiga) mit gefährlichen Sümpfen. An solche Bodenverhältnisse waren die großen Herdentiere nicht angepasst waren, zumal ihre Nahrungsgrundlage verschwand. Statt Graslandschaften, wuchsen auf dem nun zunehmend fruchtbaren Boden auf einmal Büsche und ganze Wälder, wie der Boreale Nadelwald. In der Folge starben viele Herdentiere aus, wie z.B. Mammut, Wollnashörner und die damaligen dort lebenden Wildpferde. Andere, wie z.B. Rentiere und Moschus Ochsen gab es immer weniger oder sie wanderten ab. Sowohl die geografische Isolierung, als auch die Abwanderung der Beutetiere, führten dazu, dass sich Menschen und Wölfe immer näherkamen. Möglicherweise haben sich da schon Menschen eines Wolf Welpen angenommen und großgezogen. Aber auf der anderen Seite wuchs auch die Gefahr des Fressens oder gefressen werden. Da beide nicht die präferierten Beutetiere der anderen waren, bestand auch noch eine dritte Möglichkeit.

 

 

 

3. Annäherung

Mit der Klimaerwärmung am Ende der Eiszeit (LGM) mussten Menschen wie Wölfe ihr Leben komplett umkrempeln. Bislang hatten beide Jagden auf flüchtende große Herdentiere gemacht. In den heranwachsenden Wäldern siedelte sich zunehmend kleines bis mittelgroßes Haarwild an, entweder einzeln oder in kleinen Gruppen unterwegs. Die interessanten Pflanzenfresser waren auf einmal nicht mehr gut sichtbar, vor und während der Jagd. Jetzt mussten sie erst mal gefunden werden und meist war der Anblick nur kurzer Dauer, da sie gleich wieder im Schutz der Büsche, Bäume und teilweise Unterschlüpfen verschwanden. So taten sich beide, Menschen wie Wölfe, schwer im Kampf ums tägliche Überleben. Beide intelligent und im Stande strategisch zu denken, machten sie sich wohl anfangs zufällige, später mögliche gewollten Begegnungen zu Nutze. Wenn einer von beiden Wild aufstöberte, hatte es der andere leichter beim Stellen dieser. Auch wenn beide die gleichen Beutetiere bevorzugten, so war es den Zweibeinern nicht möglich sie restlos zu verspeisen. Teile wurden auch gezielt aufgehoben zur weiteren Nutzung. All dies verursachte Gerüche, die anderes Getier anzog, wie Bären und Wölfe. Anfangs wohl eher zufällig, wenn sie auf Nahrungssuche unterwegs waren und im Laufe der Zeit sicherlich auch irgendwann mal gezielt wartend auf „ihren Anteil“. Eine kräftesparende Version der Nahrungsbeschaffung. Hielt man sich in der Nähe der Menschen auf, so kam man anderen Reste Vertilgern zuvor, wie z.B. Bären und hielt sie so nicht nur von den Nahrungsresten fern, sondern auch von den Menschen, die davon auch profitierten. Man tolerierte sich gegenseitig, aber arbeitete noch nicht mit ihnen zusammen und lebte eher auf Distanz, auch wenn die Wölfe sicherlich wussten, dass die Menschen ihnen eher wenig anhaben konnten. Und die Menschen lernten, dass Wölfe in der Nähe, mit ihrem besseren Gehör und Geruchssinn auch einen gewissen Schutz bieten konnten vor Gefahren wie z.B. Bären.

 

 

 

4. Der Lagerwolf

Wenn man nebeneinander lebt, kommt man nicht umhin, das Verhalten des anderen zu studieren, schon allein um abzusehen, wie seine Reaktionen sind, um eine Risikoabschätzung zu haben (droht von ihm Gefahr oder nicht). Mit weitaus weniger Argwohn, halten wir es bis heute noch ähnlich. Welcher Mensch verfolgt nicht gerne das Tun seines Welpen und später herangewachsenen Collies. Umgekehrt ist es genauso, wobei die Hunde und allen voran der Collie, einen noch viel feiner lesen kann als wir ihn. Sie haben es einfacher, da ein Großteil ihrer innerartlichen Verhaltensweisen (wie z.B. Interaktionen & Kommunikation) auf Körpersprache basiert, etwas was der heutige Mensch größtenteils verlernt hat. Je besser man dann das Verhalten des anderen einschätzen kann, desto einfacher und vorausschauender kann das Miteinander werden. So gab es damals sicherlich hin und wieder mal einzelne Wolfsexemplare, die besonders neugierig oder vom Hunger getrieben waren und sich dem Menschen weiter näherten. Umgekehrt könnten auch Menschen auf einzelne Wölfe zugegangen sein, ihnen z.B. etwas Nahrung hingeworfen oder vielleicht einen Welpen an sich genommen haben. So kam es zu ersten Annäherungen. Das der Mensch als einziges Lebewesen Feuer Händeln kann, war mit Sicherheit auch ein wichtiger Aspekt für ein Zusammenrücken, denn es brachte Wärme und Schutz für alle, die nah genug herankamen. Bezeichnend ist auf jeden Fall, dass wohl einzelne Individuen oder Gruppen mit ihrer Intelligenz in der Lage waren über den Tellerrand hinauszuschauen und verschafften sich so einen evolutionären Überlebensvorteil. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

 

 

5. Domestizierung

Anfangs war es wohl ein gegenseitiges Ausprobieren, was das gemeinsame Zusammenleben betraf. Vielleicht war es auch nicht von ständiger Dauer geprägt. Man denke nur an aktuelle Zähmungsversuche von Wölfen, ebenso wie deren Nachfahren, wie z.B. der Tschechoslowakische Wolfshund. Was als Welpe und Jung Hund vielversprechend beginnen kann, wird manches Mal schon schwierig in der Pubertät und entzweit sich gerne mit Beginn der Geschlechtsreife. Eine natürlicher Abnablungsprozess, da erwachsene Tiere, ebenso wie auch wir Menschen, gerne ihre eigenen Wege gehen, um später eigene Familien gründen zu können. Eine sinnige Entwicklung im Rahmen der Arterhaltung, genetischen Vielfalt und Vermeidung von Inzucht. Trotzdem schafften es wohl einige Individuen diese Barriere zu überwinden. Vielleicht gab es dazu auch schon erste hormonelle Varianten bei einzelnen Exemplaren, wie sie später bei Zwei- wie Vierbeinern nachgewiesen wurden im Rahmen der weiteren Evolution, die den Wünsch über ein rein innerartliches Beisammensein hinausgingen, ein weiterer begünstigender Baustein.  Zunehmend gemeinsame ausgeübte Aktivitäten (z.B. Jagen), Erlebnisse (z.B. Gefahrenabwehr) und Tagesabläufe (z.B. Verzehr, Ruhephasen, Aufwärmen) haben sicherlich manches Mal dazu beigetragen, ein Zusammenleben erst situativ, später irgendwann immer öfter, nicht nur zu beginnen, sondern auch fortzuführen und zu intensivieren.

In der Folge gab es sicherlich auch schon eine erste Auswahl von Individuen. Zum einen eine eher zufällige und freiwillige Auswahl von Seiten der Wölfe, was die Dauer und Intensität des Zusammenlebens betraf und anders herum von Seiten der Menschen eine eher gerichtete Auswahl, indem sie diejenigen versuchten auszuwählen und vielleicht auch später miteinander zu verpaaren, die die höchste Bereitschaft zeigten für ein gemeinsames Zusammenleben und von größten Nutzen waren (z.B. für die Jagd und zum Schutz). Ein Bestreben, das sich auch in der weiteren Zukunft fortsetzte.  So wurden irgendwann aus Wolfshunden (Übergänge Wölfe zu Hundeartigen) Hunde, die begannen in ihrem Aussehen und Verhalten von der Wildform abzuweichen, da nun andere Kriterien gefragt waren und andere nutzlos wurden. Einige wanderten auch gemeinsam ab und lernten im engen Miteinander weiter die Vorzüge zu genießen und den Willen dies weiter zu geben und zu intensivieren. Nachwuchs wurde dann vielleicht noch früher eingebunden.

6. Völkerwanderung der steinzeitlichen Jäger & Sammler

Wie zuvor schon die Wölfe mit ihren Wanderungen in alle möglichen Richtungen, zeigten sich auch die damalige Menschheit als sehr aktiv. Als Jäger und Sammler (einige auch als Fischer) bevorzugten viele ein nomadenartiges Leben, immer auf der Suche nach Nahrungsquellen, andere von der Neugier getrieben und zwischenzeitlich vielfach begleitet von ihren ihnen zugetanen Vierbeinern. Der von ihnen ausgehende Schutz und ihre Unterstützung bei der Nahrungsbeschaffung halfen nicht nur, sondern ermunterten bestimmt auch so manchen. Ausgehend und parallel fortschreitend vom Übersprungs Gebiet der damaligen Sibirischen Wölfe zum Hund, zog es die Menschen von dort aus in die unterschiedlichsten Richtungen. Viele trieb es sicherlich der wärmenden Mittagssonne folgend gen Süden. Manche von ihnen wurden später sesshaft im sogenannten fruchtbaren Halbmond des Nahen Ostens. Andere zog es schon früh mit ihren Hunden von Eurasien aus nach Amerika. Dazu nutzten sie die Bering Landbrücke (Beringia), passierbar in gefrorenem Zustand oder in Zeiten, wo der Meeresspiegel etwa 100 Meter tiefer lag als heute, später auch mit Booten. Der Ursprung der Hütehunde aber scheint vor allem in der Wanderung der Menschen gen Westen zu liegen. Das belegen auch archäologische Funde, wie z.B. den in Oberkassel bei Bonn. Dort fand man in einem Grab das Skelett einer Frau und eines Manns und dazu das eines Hundes, was auf eine enge Beziehung zwischen Menschen und Hunden schließen lässt. Untersuchungen ergaben, dass es knapp 15.000 Jahre alt ist. In einer Kartsteinhöhle bei Mechernich in der Eifel fand man ein 12.500 Jahre altes Hundeskelett. In den Höhlen von Goyet in Belgien entdeckte man sogar ein 30.000 Jahre altes Hundeskelett. Neuere Untersuchungen lassen sogar auf ein Alter von 36.000 Jahren schließen, so dass es sich um das älteste jemals gefundene Hundeskelett handelt. Bei Predmosti in der Tschechei gefundene Hundeschädel wurden auf ein Alter von 32.000 Jahren datiert. Im Vergleich zu Wölfen hatten die dort gefundenen Hunde kürzere und breitere Schädel samt Schnauzen. Da sich solche Veränderungen nicht von heute auf morgen einstellen, steht weiter die Vermutung im Raum, dass die Domestizierung schon lange vor der Späteiszeit begann. All diesen Fundstellen gemein war, dass man das man dort auch Relikte steinzeitlicher Jäger und Sammler fand.

Wie schon erwähnt, zeigen Untersuchungen, dass der damalige Sibirische Wolf der Urvater aller Haushunde ist. Genauer gesagt konnte man bislang gezielt zwei Übersprünge nachweisen. Später scheint es noch ab und an zu einer Durchmischung mit den damaligen Wölfen aus dem westlichen Eurasien gekommen zu sein, den damaligen Europäischen Wölfen. Die heutigen Europäischen Wolfspopulationen dagegen weisen keine näheren Verwandtschaftsgrade mehr zu Hunden auf. Dort wo heute die südliche Nordsee ist, war damals Land (Doggerland). Knochenfunde zeigen, dass dort neben Menschen auch einst große Herdentiere lebten, wie z.B. Mammuts, Auerochsen und Rentiere. Von Hunden begleitete Menschen gelangten so einst über Doggerland von Skandinavien über Dänemark bis hin nach Großbritannien und natürlich auch jeweils hinunter nach Deutschland etc.. Belegt werden diese Wanderungen durch Funde rund um die Hamburger und nahegelegenen Ahrensburger Kultur und weiter westlich Starr Carr (Creswellien Kultur) bei Scarborough im Nordosten Yorkshires (England), mit ihren besonders fein erarbeiteten steinzeitlichen Werkzeugen (v.a. Messern) und Speerspitzen bis hin zu Harpunen. Ihre Hunde schienen eher weiter von hochbeiniger Statur zu sein und mit den Eigenschaften behaftet, wie weiter oben beschrieben. Ereignisse, wie wiederkehrende kleine Eiszeiten und untermeerische nordatlantische Erdrutsche, die einen großen Tsunami hervorriefen, neben steigenden Meeresspiegeln, auch durch die Eisschmelze, führten nicht nur zum Versinken von Doggerland (Relikt: Felsen von Helgoland), sondern auch zum Verschwinden der Landbrücke zwischen Frankreich und Großbritannien (Relikt: Kreidefelsen von Dover). Dammbrüche nach Wasseraufstauungen führten zu großflächigen Überflutungen. Vielleicht zogen sich auch dadurch einige der frühen Bewohner gerne ins schottische Hochland zurück, nach dem Abschmelzen des Eisschildes. Der sich bildende Ärmelkanal schnitt Großbritannien als Insel vom restlichen Europa ab. Erst mit dem Ausbau der Schifffahrt konnte es wieder weiter besiedelt werden. Bis dahin lebten Menschen wie Hunde dort weitestgehend isoliert.

7. Neolithische Revolution

Diese bedeutsame Entwicklung in der Geschichte der Menschheit beschreibt das erstmalige Sesshaft werden am Ende der Steinzeit. Vor allem in den Gebieten des Fruchtbaren Halbmonds im Nahen Osten genossen die sich dort erstmalig ansiedelnden Menschen die Vorzüge immer genügend Nahrung vor Ort zu haben, ohne ständig weiterziehen und neue Quellen ausfindig machen zu müssen. Das nun bequemere Leben führte dazu, dass die Anzahl der Menschen, vor allem in diesen Gebieten rascher zunahm, sei es durch weitere neu Hinzugezogene, aber vor allem auch in der häufigeren Erwartung von Nachwuchs. So wurden Ideen erfolgreich umgesetzt, wie das gezielte Anzüchten von Gräsern. Später wurde daraus der Ackerbau. Schon in der Steinzeit wurden bereits erste Strategien entwickelt gegen tierische Schädlinge wie Kornkäfer und Waldmäuse. Auch bei der Nahrungsquelle Fleisch begann man von der Jagd auf Viehhaltung umzusteigen, vorrangig mit dicht an der Behausung gehaltenem Kleinvieh (z.B. Schafe, Ziegen, Schweine) und später zu züchten. Auch hier musste man erst lernen deren Ernährung anzupassen und Infektionen zu vermeiden, wie zahlreiche Funde frühverstorbener Lämmer (und Föten) zeigen. Das Sesshaft werden brachte aber nicht nur Vorzüge mit sich, denn schnell breiteten sich auch Krankheiten aus, wie überall, wo Populationen eng zusammenleben. Idealbedingungen für so manche Krankheitserreger, wie z.B. Salmonellen. Manche gingen vom Menschen auf das Vieh, andere auch umgekehrt (Zoonosen). Zum anderen entwickelten sich bei Menschen und Hunden auch Wohlstandskrankheiten, wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vielleicht auch ausgelöst durch veränderte Nahrungszusammensetzung und teilweise weniger Bewegung. Auch Hygiene musste erst erlernt werden. So sind Ackerbau und Viehzucht erst vergleichsweise spät entstanden, im Vergleich zur Domestizierung der Hunde.

Dort wo die Menschen sesshaft wurden, veränderte sich auch ihre Wünsche und Aufgabenansprüche an ihre Hunde, bei denen sich mehr Bequemlichkeit breit machte. Solche, die eher ruhelos das Nomadenleben bevorzugten, waren auf einmal weniger erwünscht. Auch solche, die ihren Jagdtrieb am gehaltenen Vieh ausübten, auch wenn es nur das des Nachbarn war. Schutz war weiterhin in einem gewissen Rahmen gefragt, aber auch eine gewisse Ruhe. So splittete sich auch das Aussehen weiter auf. Aus dem einst hochbeinigen leichtläufigen, eleganten Typus, wurden entweder schwerere (in Richtung spätere Molosser gehende) Hunde, aber auch kurzbeinigere kleinere, die der Unterhaltung und dem Zusammenleben mehr entsprachen. Und nicht zu vergessen diejenigen, die Unerwünschtes, wie Nager etc. fernhielten.

Um neue Regionen zu erschließen und vielleicht auch den Infektionsdruck zu senken, zog es die Menschen immer wieder in neue Regionen. So folgte eine Migrationswelle der heute als Anatolische Bauern bezeichneten steinzeitlichen Menschen. Dort wo sie ankamen, brachten sie das Wissen rund um Ackerbau und Viehzucht mit, so dass immer neue Gebiete bewirtschaftet wurden. So breiteten sich diese neolithischen Siedlungen in Europa vor etwa 6000 - 8000 Jahren aus, darunter auch erste im südlichen heutigen Großbritannien. Bis etwa vor 5000 - 7000 Jahren dehnten sie sich weiter aus bis hoch ins heutige Schottland und hinüber nach Irland. Rückblickend scheint es eher weniger zur genetischen Durchmischung beider Völker im südlichen Europa gekommen zu sein, sondern eher zur Verdrängung der ursprünglichen Bewohner. Weiter nördlich hieß es, dass sie eher unter ihresgleichen blieben. Vielleicht setzten sich ihre Gene aber auch im kühleren Norden weniger durch, die eine höhere Anfälligkeit bezüglich möglicher mitgebrachter Erkrankungen bedingte. Oder ihnen eilte ein solcher Ruf voraus. Bezeichnend hier ist, dass (darum) ihre Hunde, die eher weiter von mittelgroßer Statur waren, in Großbritannien wohl keinen wirklichen Einfluss genommen hat, auf die Entwicklung der Vorläufer der weiter hochbeinigen Hütehunde, wie dem Collie genommen hat, und schon gar nicht in den Höhenlagen der Highlands, die kaum für die Landwirtschaft geeignet waren.

 

8. Metallzeitalter

Diese Epoche ist vor allem von immer weiterreichenden Handelsbeziehungen geprägt, vielfach basierend auf den immer weiter verfeinerten metallverarbeitenden Fähigkeiten, die ihren Ursprung bereits zum Ende der Steinzeit (Kupfersteinzeit) hatte. Damals hielt die Glockenbecherkultur ihren Einzug, in das bis dahin eher von den Entwicklungen hinterherhinkende Großbritannien, auf Grund seiner isolierten Lage und dehnte sich mit der Zeit aus bis in den Norden Schottlands. Möglicherweise gab es damals und auch im weiteren Verlauf des Metallzeitalters auch einen gewissen Zustrom von mitgebrachten, aber eher weiter hochbeinigen Hunden. Während es im Norden eher ruhig blieb, revolutionierte die Entdeckung, dass eine Legierung aus Zinn, das Kupfer aufwertet und sehr viel härter und widerstandsfähiger machte. So wurde das riesige Zinnvorhaben im Süden Großbritanniens abgebaut und von dort über ganz Europa samt dem Mittelmeerraum verbreitet und wahrscheinlich sogar hinunter bis nach Israel. Auch die Goldabbau und -verarbeitung wurde ausgedehnt. Bezeichnend ist hier z.B. der bedeutende Fund der Himmelsscheibe von Nebra (Sachsen-Anhalt). 1999 wurde sie von illegalen Sondengängern entdeckt und leider unfachmännisch geborgen und anschließend auf dem Schwarzmarkt verkauft. Erst knapp drei Jahre später gelang es der Polizei sie sicherzustellen, zusammen mit anderen zugehörigen Grabungsstücken aus der mittleren Bronzezeit. Die Scheibe selbst wurde ursprünglich auf die frühe Bronzezeit datiert. Neuere Untersuchungen aus den letzten Jahren weisen dagegen darauf hin, dass sie eher aus der Eisenzeit stammt. Es gibt Hinweise darauf, dass sie in Anatolien gefertigt wurde und dass die Goldauflagen aus einem Fluss in Cornwall (Großbritannien) stammen.

Nach den Eiszeitlichen Jägern & Sammlern und später den Anatolischen Bauern, gab es nun eine dritte große Völkerwanderung durch eurasische Steppennomaden, vielfach aus der Yamnaya Kultur. Mit ihnen verbreitete sich die sogenannte Schnurkeramische Kultur. Ihre Gene sind heute weitverbreitet in Europa. Vor allem aber brachten sie wohl erstmalig die Weidetierhaltung mit, denn sie waren vielfach unterwegs Pferden und Rindern. Revolutionär war auch ihre Nutzung als Reit- und Zugtiere (Holzkarren) sowie das Trinken ihrer Milch. Und natürlich wurden auch sie begleitet von ihren Hunden, vor allem den sogenannten Torfhunden. Aber auch sie schafften es nicht sich bei den Hunden des schottischen Hochlandes durchzusetzen. Möglicherweise gab es bei dieser dritten Völkerwanderung aus Eurasien auch solche, die per Schiff ins westliche Europa eindrangen und als die sogenannten Pikten vor allem auch Schottland besiedelten. Bedingt durch ihr Transportmittel wurden sie wohl seltener von Hunden begleitet. Was damals genau passierte ist bis heute nur schwer nachweisbar, da es kaum Schriften gibt. Auf jeden Fall waren sie wohl sehr wehrhaft, denn selbst die kampferfahrenen Römer schafften es später nicht bis hoch nach Schottland. Stattdessen errichteten sie den 117km langen, 3 Meter breiten und 5 Meter hohen Hadrians Wall, um sich selbst vor den Bewohnern des Nordens zu schützen.

9. Von der Antike bis zur Industrialisierung

Schottland wurde immer wieder mit mehr oder weniger Erfolg angegriffen und versucht zu beeinflussen, vor allem von den Angeln (Northumbria) aus dem Nordosten Englands, den Iren und skandinavischen Normannen (Wikinger, Norweger, Dänen). Besonders die Lowlands und vorgelagerten Inseln wurden immer wieder (vorübergehend) erfolgreich eingenommen.  Während die wehrhaften Clans in den nördlichen Highlands sich solchen Einflüssen in vielen Bereichen über lange Zeit entziehen konnten. So blieben nicht nur die Menschen, sondern auch weiter die Hunde eher unter sich und es gab keine gravierenden Veränderungen.

Im Mittelalter unterlag Schottland dann doch dem zunehmenden Vordringen der Normannen. Nach Jahrhunderten unruhiger Zeiten, sah sich Schottland um 1700 gezwungen eine Union mit England einzugehen. Es ging unruhig weiter, bis dann 1746 die Clanstrukturen auch in den Highlands final zerstört wurden, um weitere Aufstände zu verhindern. Um 1800 herum wurde die ansässige Bevölkerung, vor allem Farmer großflächig vertrieben (Highland Clearances). Ihre Behausungen wurden niedergebrannt und die Leute in Regionen mit minderwertigem Land bzw. in die rauen felsigen Küstenregionen verbracht oder sie zogen in den von der Industrialisierung geprägten Süden Großbritanniens. Andere wurden nach Kanada (z.B. Nova Scotia), ins nördliche Amerika oder Australien verschifft. In den entvölkerten Gebieten machte sich nun der Adel breit, sowohl einheimischer als auch zugezogener, vor allem aus England und den schottischen Low Lands.  Sie begannen dort exzessive Schafzucht zu betreiben, ein damals sehr lukratives Gewerbe. Sie machte die herrschende Gutsherrschaft immer reicher, während die Arbeiter überwiegend bitterarm waren oder es immer mehr wurden.

Nicht nur die Vertreibungen, sondern auch die zunehmende Industrialisierung führten zur Landflucht. Man könnte sagen, hinterher war nichts mehr wie vorher. Während die ehemaligen Siedler das Prinzip der Selbstversorgung verfolgten und Vieh eher nur in kleinerem Stil hielten, gab es nun vorrangig Großbetriebe, die auf möglichst großen Gewinn aus waren. So kamen nun auch Schafrassen (wie aus dem weiter südlich gelegenen Europa, z.T. begleitet von Hunden) zum Einsatz, die sehr effizient waren bezüglich Schafswollgewinnung. Hinzu kam eine riesige Abholzungswelle durch die einst dichten Wälder (unterhalb der Baumgrenze von ca. 600m), da dringend Holz benötigt wurde und zusätzliches Land für die Schafszucht, aber auch die Landschaft für immer schädigte. Die einst eher isoliert lebenden Hunde der Schottischen Highlands wurden mit der Vertreibung der Bevölkerung in die verschiedenste Richtungen versprengt oder sich selbst überlassen, nachdem ihre Familien verschleppt wurde. Einige fanden Anschluss an die neuen Bewohner. Manche fanden neue Aufgaben, andere wurden zum einfachen Liebhabertier v.a. der Oberschicht degradiert.

 

 

10. Viktorianisches Zeitalter

Auch diese Epoche war von grundlegenden Veränderungen geprägt, die auch weitere Auswirkungen auf die Hundehaltung hatte. Zum einen gab es eine schwere Hungersnot um 1850, nachdem das neue Grundnahrungsmittel Kartoffel nicht immer so wuchs wie erhofft und sich dann auch noch eine neuartige Pilzerkrankung breitmachte (gegen die man erst 40 Jahre später ein Mittel fand). Die Kartoffelfäule forderte bereits ein Jahr zuvor in Irland eine Millionen Todesopfer und doppelt so viele wanderten aus (etwas wovon sie sich die Insel nie mehr so richtig erholt hat), u.a. auch nach Schottland. Um 1870 gab es einen massiven Preisverfall für Schafswolle. Solche Ereignisse machten das Leben nicht nur für die Bevölkerung immer schwerer, sondern auch für deren Hunde.

Queen Viktoria, Königin vom Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland (1837 - 1901) machte es den Menschen auch nicht immer leichter mit ihren Entscheidungen und vielen festgelegten Prinzipien etc., aber sie brachte auch viele Neuerungen voran, mit weitreichenden Veränderungen und unterschiedlichsten Konsequenzen. Selbst nicht immer glücklich mit den Begebenheiten am Hofe, strebte sie nach Neuem und läutete so auch die Epoche des Reisens ein. Besonders Schottland hatte es ihr angetan. 1848 erwarb sie dort das Schloss Balmoral in den Highlands. Damit setzte sie auch die Epoche des Erwerbs von Landgütern in Gang von der reichen Oberschicht, vor allem auch mit dem Ziel dem neuen Zeitvertreib der höfischen Jagd nachzukommen. Hierzu waren die entvölkerten Gebiete ideal, sorgten aber auch dafür, dass es so blieb. So besaßen zum Ende des 19. Jahrhunderts nur gut 100 Leute über die Hälfte Schottlands. Queen Victoria fand großen Gefallen an Collies und nahm sie auch in ihrem Zwinger Balmoral auf. In dieser Zeit gewann der Collie sehr an Popularität, vor allem bei der besser betuchten Bevölkerung und über die Landesgrenzen hinaus.

 

 

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