Zuchtlenkprogramme

HD (Hüftgelenksdysplasie):

 

Bei der HD handelt es sich um eine Fehlbildung einer oder beider Hüften. Zum Glück zählen die Amerikanischen Collies nicht zu den HD-lastigen Rassen. Damit das auch so bleibt, erhalten nur HD-freie Hunde mit dem Ergebnis HD A und HD B eine Zuchterlaubnis. Bei jeder Verpaarung muss mindestens ein Elternteil das Ergebnis HD A erreicht haben.

 

 

ED (Ellbogengelenksdysplasie):

 

Unter ED werden verschiedene Erkrankungen des oder der Ellbogen zusammengefasst. Auch hier zählen die Amerikanischen Collies nicht zu den ED-lastigen Rassen. Von den röntgenologisch untersuchten Hunden, erhalten nur ED-freie Hunde mit dem Ergebnis ED 0 und ED Grenzgänger (borderliner) eine Zuchterlaubnis. Bei Verpaarungen ED-geröntgter Hunde sollte mindestens ein Elternteil das Ergebnis ED 0 erreicht haben. Von der ED-Untersuchungspflicht ausgenommen sind Hunde, die bereits HD geröntgt sind und aus einem Fremdverein stammen, bei dem die ED-Untersuchung zu diesem Zeitpunkt noch keine Pflicht gewesen ist. Sie müssen nicht noch einmal unnötig dem Narkoserisiko ausgesetzt werden, auch wenn es gering ist, um sie erneut zu röntgen. Allerdings sollen alle neuen Zuchtanwärter zusammen mit dem HD-Röntgen auch gleich ED geröntgt werden.

 

 

MDR1 (Multi-Drug-Resistance):

 

Diese multiple Medikamentenunverträglichkeit ist bei vielen Hütehunderassen, so auch beim Collie, sehr verbreitet. Beim Amerikanischen Collie verfügen wir hier in Europa glücklicherweise über einen großen Genpool an gesunden Genen. Darum muss bei jeder Verpaarung, mindestens ein Elternteil genetisch frei sein muss (MDR1 +/+). So kann im Verein „Amerikanische Collies Europa e.V.“ die Geburt von MDR1-betroffenen Welpen gänzlich ausgeschlossen werden!

 

 

DM (Degenerative Myelopathie):

 

DM ist eine unheilbare Erkrankung der Nervenbahnen mit zunehmenden Lähmungserscheinungen angefangen bei der Hinterhand, bei vollem Bewusstsein der Hunde. Leider weiß man noch nicht, welche Gene im Einzelnen dafür verantwortlich sind. Man hat aber den Risikofaktor Exon2-Mutation am SOD1-Gen bei allen getesteten DM-erkrankten Collies gefunden. Auf Grund des großen Genpools an gesunden Genen haben wir beschlossen, dass bei jeder Verpaarung mindestens ein Elternteil genetisch frei sein muss (DM (Exon2) +/+ bzw. N/N). So kann im Verein „Amerikanische Collies Europa e.V.“, die Geburt von DM (Exon2)-betroffenen Welpen gänzlich ausgeschlossen werden!

 

 

CEA (Collie-Eye-Anomalie):

 

Darunter fasst man verschiedene stagnierende genetische Veränderungen der Netzhaut des Auges zusammen. Sie ist bei den Hütehunden, insbesondere bei den Collies weit verbreitet. Man geht davon aus, dass ca. 67% aller Collies von der milden CEA betroffen sind (Chorioretinale Hypoplasie od. CEA-1), die für die meisten Collies keine Einschränkung der Sehfähigkeit bedeutet, da die Veränderungen an der Netzhaut vergleichsweise gering sind. Oft sind diese Veränderungen am besten im Alter von 6 - 8 Wochen vom Opthalmologen nachweisbar. Danach werden sie vielfach von Pigmenten überlagert. Solche Hunde bezeichnet man auch als „go-normals“. Sicherheit bringt hier der CEA-CH-Gentest, denn alle betroffenen Hunde sind genetisch betroffen (CEA -/- bzw. CEA/CEA). Ca. 13% der betroffenen Collies haben ein Kolobom mit tunnelartigen Ausbuchtungen am Sehkopfnerv. Meist sind diese Veränderungen so gering, dass es auch hier nur selten zu Einschränkungen der Sehfähigkeit kommt. Trotzdem sind sie von der Zucht ausgeschlossen, ebenso wie die letztlich nur ca. 3% aller von CEA betroffenen Collies, die an der schwersten Form der CEA leiden, die einhergeht mit Einblutungen, z.T. sogar bis hin zur Netzhautablösung, was dann unweigerlich zur Erblindung führt.

 

Da niemand einen blinden Collie haben möchte, ist auch hier unbedingt Handlungsbedarf gegeben. Da so viele Hunde betroffen sind, können wir sie nicht alle aus der Zucht ausschließen und nur noch mit den restlichen ca. 33% weiterzüchten. Würden wir zugleich auch nur noch mit genetisch freien MDR1 Hunden züchten, so würde der Genpool auf nur noch 2% herabsinken. Und wenn wir noch weitere Faktoren mit einbeziehen kommen wir fast auf 0%. So kommen wir nicht weiter. Darum können auch Collies mit milder CEA zur Zucht zugelassen werden, wenn sie keinerlei Einschränkungen in der Sehfähigkeit haben. Verboten ist aber die Verpaarung solcher Hunde untereinander, da sonst die Wahrscheinlichkeit, dass Welpen an einer der schwereren Formen erkranken unnötig ansteigt. Da wir bei den Amerikanischen Collies inzwischen einen guten Genpool an einzelnen gesunden Genen haben, können wir inzwischen so weit gehen, dass bei jeder Verpaarung mindestens ein Elternteil genetisch frei sein muss (CEA +/+ bzw. N/N) oder zumindest carrier (CEA +/- bzw. N/CEA). Dadurch haben wir das Risiko für eine Sehstörung, je nach Verpaarung, auf eine Wahrscheinlichkeit von 0 bis 1,5% senken können!!!

 

 

rcd2-PRA (Progressive Retinaatrophie):

 

Diese weit verbreitete unheilbare erbliche Augenerkrankung, die viele Rassen betrifft, verschlimmert sich zunehmend und führt schließlich zur Erblindung. Bei den Amerikanischen Collies verfügen wir hier in Europa über einen ausreichend großen Genpool an gesunden Genen. Darum muss bei jeder Verpaarung mindestens ein Elternteil genetisch frei sein (rcd2-PRA +/+ bzw. N/N). So kann die Geburt von rcd2-PRA-betroffenen Welpen, im Verein „Amerikanische Collies Europa e.V.“, gänzlich ausgeschlossen werden!

 

 

MPP (Membrana Pupillaris Persistens):

 

In der Embryonalphase ist das Auge mit einem feinen Häutchen bedeckt. Dieses bildet sich bis zum Öffnen der Augen zurück. Manchmal verbleiben jedoch winzige Gewebereste. Diese werden MPPs (oder PPMs = Persistierende Pupillarmembran) genannt. Man trifft sie bei vielen Rassen an. Bei Collies sind sie i.d.R. so gering, dass es zu keiner Einschränkung der Sehfähigkeit kommt und sie können dann auch zur Zucht zugelassen werden. Es wird empfohlen solche Hunde nur mit MPP-freien Hunden zu verpaaren. Eine konsequente sinnvolle Umsetzung ist jedoch erst in einigen Jahren möglich, da es zu einer konsequenten Erfassung von MPPs in den Untersuchungsbögen, leider erst in den letzten Jahren gekommen ist.

 

 

 

GCS (Gray-Collie-Syndrom):

 

Hierbei kommt es zu einer zyklischen Verminderung der für die Immunabwehr hochwichtigen Neutrophilen Granulozyten. Betroffene Hunde sterben i.d.R. früh an Infektionen. Auf Grund des großen Genpools an gesunden Genen muss bei jeder Verpaarung mindestens ein Elternteil genetisch frei sein (GCS +/+ bzw. N/N). So kann die Geburt von um GCS-betroffenen Welpen, im Verein „Amerikanische Collies Europa e.V.“ gänzlich ausgeschlossen werden!

 

 

DMS (Dermatomyositis)

 

DMS ist eine Autoimmunerkrankung, ähnlich der JDM (Juvenile Dermatomyositis) beim Menschen. DMS tritt vorrangig bei Shelties und Collies immer wieder mal auf. Auf Knochenvorsprüngen, die wenig mit Muskeln abgepolstert sind, wie vor allem im Gesicht, aber auch an Rutenspitze und Füßen, bilden sich verkrustete Läsionen. Die manchmal schuppige Haut rötet sich und das Fell fällt aus. Typisch ist, insbesondere im Anfangsstadium, solange keine Sekundärinfektion auftritt, dass die betroffenen Regionen nicht jucken. In leichten Fällen verheilen die Wunden, aber meist verbleiben Stellen mit langfristigen Veränderungen, geprägt durch dunkel und fleckige Pigmentierung und verbleibendem Haarausfall. In schweren Fällen sind auch die Muskeln so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass z.B. das Trinken und die Nahrungsaufnahme (Kauen u. Schlucken erschwert sind und/oder auch das Gehen (Fuß- und untere Beinmuskulatur). Beim Menschen spricht man von muskelkaterartigen Schmerzen. Die Hunde sind oft empfindlich, insbesondere unter immunsupressiver Therapie, gegenüber Infektionen (Pilze, Bakterien, Viren). Diese sind dann oft schwer behandelbar, obwohl es sich häufig um gängige Keime handelt, die einem gesunden Hund nichts antun würden. Es können sich auch Empfindlichkeiten bezüglich des Magen-Darmtraktes ausbilden. Im fortgeschrittenen Stadium kann es auch immer wieder mal zum Verlust einzelner Krallen kommen, die dann i.d.R. später wieder nachwachsen.

Ursächlich spielen genetische Veränderungen und Umweltfaktoren eine Rolle. Auslöser für die ersten Hautläsionen, scheinen oft Stressfaktoren zu sein, wie z.B. Viruserkrankungen, Impfungen oder traumatische Erfahrungen. Verstärkend können Hormonveränderungen (Hündinnen: Läufigkeit, Trächtigkeit, Scheinträchtigkeit / Rüden: Hormonschübe), Impfungen (Überimpfungen, Leptospirose, Tollwut), erhöhter Stress, Infektionsdruck und Unverträglichkeiten (Futter, Medikamente, Allergene) wirken. DMS kann in jedem Lebensalter ausbrechen, aber der häufigste Ausbruch findet man im ersten Lebenshalbjahr statt. Gute Behandlungserfolge (aber keine vollständige Heilung) erzielt man meist mit Trental (Pentoxiphyllin), Vitamin E und in manchen Fällen auch mit Steroiden. Oftmals ist zudem eine Kastration hilfreich, wenn die Hunde empfindlich auf hormonelle Veränderungen reagieren. Vorbeugend bei erhöhtem Risiko gilt es die möglicherweise verstärkend wirkenden Auslöser zu vermeiden. Gesunde Ernährung ohne allzu viel Chemie, aber dennoch optimaler Zusammensetzung kann sicherlich unterstützend wirken. Überimpfungen (zu viel und zu viel auf einmal) kann man vermeiden durch Titertests auf die jeweiligen Antikörper, so dass man nur das nachimpft, was wirklich nötig ist. Das gleiche gilt für Wurmkuren, durch Stuhlproben.

Genetische Untersuchungen, im Rahmen einer DMS-Studie der Clemson Universität, unter Leigh Anne Clark und Jacquelyn Evans in den USA, haben ergeben, dass drei Risikofaktoren in Verbindung mit der Erkrankung stehen.

Der erste ist die MHC-Genklasse, die Immunsystemvariante. Dies konnte auch beim Menschen bei JDM in Bezug gesetzt werden, nebst Umweltauslösern. Beim Hund ist es die MHC-II-Klasse-Leukozyten-Antigene, genauer gesagt die DLA-Gene (DLA-DRB1/-DQA1/-DQB1). Sie werden in Zahlenkombinationen ausgedrückt. Leider scheint es beim Collie hier kaum noch Variationen zu geben. In der Studie fand man bei den Collies fast ausnahmslos die Kombinationen 002:01/009:01/001:01, dazu selten noch die Kombination 015:01/009:01/001:01. Dadurch bedingt gibt es wohl leider eine grundsätzliche rassebedingte Neigung zu DMS, mit 3% laut derzeitigem Stand der Studie (01/2017). Es gibt noch eine weitere äußerst seltene DLA-Variante, mit der Kombination 006:01/050:11/007:01. Wegen der geringen Anzahl kann man leider noch nicht sagen, ob hier das Risiko geringer ist. Aber selbst wenn, wäre eine Zuchtauslese, auf Grund der Seltenheit kaum machbar. 

Die Forschungsgruppe hat zwei weitere Risikofaktoren ausmachen können. Hierbei handelt es sich um zwei Genveränderungen, die in direkten Zusammenhang mit dem Risiko stehen, ob ein Hund an DMS erkranken kann. Darum werden sie auch als Hochrisikogene bezeichnet, genannt "A" (PAN2) und "B" (MAP3K7CL). Die betroffenen Gene sind wichtig im Bereich der Entzündungsregulationen. So kann man DMS auch beschreiben als eine Unfähigkeit entzündliche Reaktionen richtig zu regulieren.

Da die Gene immer doppelt vorliegen (Allele), können sie durch freie Gene "a" und "b" abgefangen werden ("Aa" oder "Bb"), so dass das Erkrankungsrisiko sinkt. Ist der zweite Teil genetisch frei ("aa" oder "bb"), so liegt das Risiko bei 4% laut derzeitigem Stand der Studie (01/2017) für "Aa bb" oder "aa Bb".

Sind beide genetisch frei, so verbleibt auf Grund der oben beschriebenen DLA-Gene das Risiko bei 3% laut Studie (Stand 01/2017) für "aa bb".

Sobald jedoch "A" oder "B" reinerbig vorliegen ("AA" oder "BB") haben wir ein moderates Risiko, mit 39% laut Studie (Stand 01/2017), für "AA bb" oder "aa BB".

Das ändert sich sofort, wenn noch ein zusätzliches "A" oder "B" hinzukommt, egal ob reinerbig oder nicht, dann steigt das Risiko gleich auf 90 - 92% laut Studie (Stand 01/2017), also für "Aa BB" und "AA Bb".

 Sind beide reinerbig betroffen, dann steigt das Risiko sogar auf nahezu 100% laut Studie (Stand 01/2017), für "AA BB

"B" kommt bei den Collies seltener vor, wie "A". Ursächlich war hier wahrscheinlich eine konsequente Ausmusterung DMS-betroffener Collies ab den 1980er Jahren, als die ersten intensiveren Forschungen begannen. Sehr interessant ist auch, dass es anscheinend das Merlegen nur in Kombination mit dem gesunden "a" gibt! Sprich ein Merle kann nur ein "aa" oder schlechtestenfalls ein "Aa" haben, aber nie homozygot ("AA") betroffen sein.

Die Forschungsarbeiten von Leigh Anne Clark und ihren Mitarbeitern sind nicht nur für die weitere JDM-Forschung beim Menschen interessant, sondern auch für uns Colliezüchter sehr wertvoll. Denn der Arbeitsgruppe gelang es 2016 einen entsprechenden Test zu entwickeln, der die Risikogefahr eines jeden Collies näher darstellt. Der Test ist kein Nachweismittel für die Erkrankung, das geht nur über entsprechende Biopsien an den befallenen Stellen. Er ist alleine eine Risikobewertung. Das bedeutet auch nicht, dass jeder genetisch betroffene Hund auch automatisch erkrankt, er hat lediglich ein moderates oder hohes Risiko, dass die Krankheit ausbricht. Andersherum besteht bei einem Hund mit dem am niedrigsten möglichen Risiko, aber immer noch ein Restrisiko, des Krankheitsausbruchs, da es die Stufe kein Risiko nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand nicht gibt.

Da die Auswirkungen bei einem Ausbruch sehr unschön sein können, macht es unbedingt Sinn den Test gleich in unser Zuchtlenkprogramm mit aufzunehmen, um die Gefahr für DMS zu minimieren. Wir beginnen damit eine entsprechende dringende Empfehlung zur Testung aller Zuchthunde, sinnvollerweise vor der Verpaarung, auszusprechen. Die Daten werden beim Zuchtbuchamt gesammelt und in unser Zuchtlenkprogramm miteinfließen. Aber bereits jetzt empfehlen wir unbedingt die Ergebnisse bei der Zuchtauswahl zu beachten und Zuchtpartner zu bevorzugen, bei denen keine Welpen geboren werden, die ein erhöhtes Risiko haben an DMS zu erkranken.

Auch wenn bislang, nach heutigem Wissensstand, in unserem Verein "Amerikanische Collies Europa e.V." noch kein Welpe geboren wurde, der an DMS erkrankt ist, so ist es uns ein besonderes Anliegen, dass in Zukunft nur Collies geboren werden, mit einem möglichst niedrigen Erkrankungsrisiko. Darum sollte optimalerweise mindestens ein Zuchtpartner für die jeweiligen Risikogene "A" und "B" genetisch frei sein, also DMS "aa" und "bb". Das kann auch im Wechsel sein, sprich der eine Zuchtpartner ist frei für das Risikogen "A", also "aa" (noncarrier) und der andere Zuchtpartner ist frei für das Risikogen "B", also "bb" (noncarrier). So kann das Risiko langfristig für die geborenen Welpen auf das niedrigste mögliche Level von 3% bzw. 4% gesenkt werden.

Leider lässt sich das Problem nicht von heute auf morgen aus der Welt schaffen, da es weltweit zu wenig Collies gibt, die genetisch frei sind von den Risikogenen "A" und "B". Würden wir nur noch die Geburt genetisch freier Welpen zulassen, dann gäbe es die Rasse Collie schon in Kürze nicht mehr. Hinzu kommt, dass das DMS-Risiko ja auch erst verursacht wurde durch zu enge Zuchtauslese. Hinzu kommt, dass die Colliezucht weltweit auf nur ganz wenigen Collies basiert. Wenn man dann noch bedenkt, dass auch nur vergleichsweise wenige Collies von Europa nach Amerika gereist sind und mit nur wenigen von ihnen die Zucht dort aufgebaut wurde, dann hat das die Situation nicht verbessert. So ist und bleibt das erste Ziel die Heterozygotie, bei der jedes betroffene Gen von einem gesunden abgedeckt wird, um das Risiko generell in der Rasse zu senken. So werden wir in den nächsten Jahren bei zukünftigen Verpaarungen die Verpaarung von zwei Trägern nicht ganz ausschließen können, um den Genpool zu erhalten, wobei schlechtestenfalls 25% Collies mit moderatem Risiko geboren werden, aber keine mit hohem Risiko. Denn die Zahl der genetisch freien Collies liegt gemäß der Studie bei nur 22% und nur noch auf sie bei der Weiterzucht zurückzugreifen ist unmöglich, zumal nicht alle züchterich zur Verfügung stehen.

Untersuchungsstellen: Optigen 98,-$; Preisstand Ende 2017; wie man sieht sind die Preise deutlich gesunken, ohne Umlegung von Forschungs- und Entwicklungskosten. Die Clemson University selber nimmt nur noch Proben an für Collies die in die Studie kommen, mit klaren Anzeichen bzw. Diagnose für DMS. Noch preiswerter wird es, wenn man selber Mitglied bei der Collie Health Foundation (CHF) wird (ab 25,-$ pro Jahr). Sie unterstützt derzeit nicht nur die DMS-Studie, sondern auch viele andere wichtige Projekte, die der langfristigen Colliegesundheit zu Gute kommen. In diesem Aufgabenbereich ist sie weltweit führend. Durch eine Mitgliedschaft kann man diese wichtige Arbeit sinnvoll unterstützen. Zudem kann man den DMS-Befund später dort einreichen. Denn zurzeit (bitte vorher auf Aktualität überprüfen), gibt es ein spezielles Angebot und man erhält eine Erstattung von ca. 65,-$, so dass der DMS-Test letztlich nur noch ca. 30 Dollar kostet. Wichtig ist, dass man bei der Probenentnahme wirklich genügend Backenzellen abstreift (denn es ist kein Speicheltest!). Der Hund darf vorher wenige Stunden lang nichts gefressen haben. Am besten entnimmt man die Probe direkt nach einem längeren Schlaf, bevor er irgendwo dran geleckt, getrunken oder gefressen hat. Das Teststäbchen anschließend wieder ins Röhrchen zurückstecken und dann den Deckel für 2-4 Stunden leicht geöffnet lassen, damit das Material abtrocknen kann, ohne allzu viele Luftkeime aufzunehmen. Also im Prinzip genauso, wie man sonst Backenabstriche entnimmt. Die Proben am besten immer zum Wochenanfang versenden.

Textquellen:

http://www.clemsoncaninegenetics.com/dmsriskassessment.htm

http://journals.plos.org/plosgenetics/article?id=10.1371/journal.pgen.1006604

 

 

MH (Maligne Hyperthermie):

 

Dieser genetische Defekt, der bei allen Rassen vorkommen kann, kommt zum Glück nur extrem selten bei Collies vor. Hierbei handelt es sich um eine Medikamentenunverträglichkeit, die gezielt die quergestreifte Muskulatur angreift. Bei der Verabreichung bestimmter Medikamente, wie einige Inhalationsanästhetika und bestimmte Muskelrelaxantien, kann es zu massiven Krämpfen kommen, sowie Herzrhythmusstörungen, Erhöhung der Körpertemperatur (Hyperthermie) bis hin zum Zerfall der Muskelzellen (Rhabdomyolose). Durch die Abbauprodukte kann es zu massiven Nierenproblemen, bis hin zum Organversagen und Tod, wenn nicht sofort gezielt kompetent gegenbehandelt wird. Dieser Test ist freiwillig, da die Erkrankung nur äußerst selten bei Collies auftritt. Auch hier sollte idealerweise mindestens ein Zuchtpartner genetisch frei sein (noncarrier), also MH +/+ bzw. N/N, so dass die Geburt betroffener Welpen gänzlich ausgeschlossen werden kann.

 

 

HUU (Hyperurikosurie / Hyperurikämie):

 

Hierbei handelt es sich um eine genetische Störung des Harnstoffwechsels (Purine). Im Gegensatz zum Menschen wird das Endprodukt Harnsäure, beim gesunden Hund noch weiter zu Allantoin abgebaut, was besser wasserlöslich ist. Dieser Prozess ist bei HUU-betroffenen Hunden gestört, durch eine Mutation am SLC2A9-Gen. Es kann in der Folge durch kristalline Ablagerung zu Gichterkrankungen kommen und zur Harnsteinbildung. Dieser Test ist freiwillig, da die Erkrankung nur äußerst selten bei Collies auftritt. Auch hier sollte idealerweise mindestens ein Zuchtpartner genetisch frei sein (noncarrier), also HUU +/+ bzw. N/N, so dass die Geburt betroffener Welpen gänzlich ausgeschlossen werden kann. In der Vergangenheit wurde HUU unter der Abkürzung SLC geführt.

 

 

AVK (Ahnenverlustkoeffizient zum Erhalt der Genetischen Vielfalt des Einzelindividuums):

 

Um die genetische Vielfalt eines jeden einzelnen Hundes möglichst groß zu halten, darf der AVK der Welpen 86%, über 4 Generationen, nicht unterschreiten. Somit ist Inzucht verboten und enge Linienzucht unterbunden. Denn nur mit möglichst verschiedenartigen Genen (Heterozygotie) können wir die einzelnen Individuen einer Rasse auf lange Sicht möglichst gesund erhalten. Eine Ausnahmegenehmigung für einen AVK von mindestens 80% ist möglich, bei der Verpaarung der häufig sehr eng gezogenen Amerikanischen Importhunde oder deren Nachfahren in erster und ggf. noch zweiter Generation. Dabei muss jedoch darauf geachtet werden, dass es nicht zu einem weiteren Verlust der Ahnen kommt. Abschließend entscheidet die Zuchtkommission mehrheitlich.

 

 

IK (Inzuchtkoeffizient):

 

Der IK bezieht im Gegensatz zum AVK auch die Nähe eines Verwandten mit ein. So haben weiter entfernte doppelte Ahnen (z.B. Ururgroßelternteile) weniger gravierend schlimme Einflüsse, wie wenn beispielsweise der Vater mehrfach auftaucht würde. Es wird empfohlen, dass der IK bei den Welpen nicht höher wie ca. 6% sein sollte. Zudem sollten doppelte Ahnen generell in den ersten drei Generationen vermieden werden, um die Vielfalt und Verschiedenartigkeit der Gene zu erhalten und zu fördern.

 

 

Kein Popular Sire Syndrom (Erhalt eines großen Genpools der gesamten Rasse):

 

Der übermäßige Einsatz eines einzelnen Rüden sollte vermieden werden, um die genetische Vielfalt der Rasse zu erhalten. Je mehr Hunde miteinander verwandt sind, desto mehr wird der Genpool einer Rasse geschmälert. Manche Krankheiten und andere Defizite entwickeln sich erst im Alter. Wenn sich solche betroffenen Hunde vorher ausgiebig vermehrt haben, besteht die Gefahr, dass sich auch diese Defizite ungewollt weit verbreitet haben.

 

 

American Lines:

 

Angestrebt wird ein Blutsanteil von wenigstens 50% und gerne mehr an Amerikanischen Linien (Collies die über mehrere Generationen in Amerika oder Kanada gezüchtet wurden). Wichtiger ist jedoch zum Erhalt der Rasse auf lange Sicht, neben dem Erhalt der genetischen Vielfalt (des Einzelindividuums) und einem großen Genpool (der Rasse), vor allem auch das äußere Erscheinungsbild (entsprechend dem Original Amerikanischen Rassestandard), nebst Charakter etc. der Zuchtpartner, im Hinblick auf die zu erwartenden Welpen.

 

 

Wesen:

 

Es ist sehr wichtig, das Wesen und Temperament mit in die Auswahl der Zuchtpartner einfließen zu lassen und sich auch anzuschauen, in welche Richtung sich vielleicht schon vorhandene bisherige Nachzuchten entwickelt haben. Möchte ich langfristige eher ruhige Hunde in die Welt setzen oder eher sehr aktive. Habe ich bei letzteren genügend Interessenten, die solchen Tieren gerecht werden? Oder strebe ich doch lieber Hunde mit mittlerem Temperament an?

 

 

Exterieur:

 

Ziel in der Zucht ist es immer einen Hund zu züchten, der dem Idealbild des Amerikanischen Collies möglichst nahe kommt. Dazu muss man sich mit dem Potential der zur Auswahl stehenden Zuchtpartner auseinander setzen. Gute Zuchtrichter und Zuchtwarte können hier sicherlich gerne helfen. Bei der Auswahl der Zuchtpartner darf nie vergessen werden, dass es nicht darum geht, den Hund mit den besten Gesundheitswerten zu züchten, sondern das Gesamtpaket mussstimmen.

 

 

Merle:

 

Farbvarianten wie der Double Merle (genetisch homozygote Träger für Merle, hervorgegangen aus der Verpaarung von zwei Hunden mit Merle-Faktor) sind gemäß den Tierschutzbestimmungen von der Zucht ausgeschlossen. Auch eine angestrebte Verpaarung, bei der solche Welpen fallen könnten, wird nicht erlaubt! Es darf maximal nur ein Zuchtpartner den Merle-Faktor haben. Wenn der Merle-Status eines Hundes nicht sicher ist, v.a. wenn die Gefahr für einen kryptischen Merle besteht (genetische heterozygoter Träger für Merle, welches aber nicht sichtbar ist), muss vor einem Zuchtantrag ein Gentest gemacht werden, um eine spätere Verpaarung von zwei Merles sicher ausschließen zu können.

 

 

Psychische Reife:

 

Hündinnen dürfen frühestens mit 22 Monaten belegt werden und Rüden dürfen frühestens mit 18 Monaten decken.

 

 

Qualität statt Quantität:

 

Neben der Beachtung der oben aufgezählten qualitätssichernden und -steigernden Werte, muss auch unbedingt darauf geachtet werden, dass keine zu häufige Zuchtverwendung stattfindet. Die der Rüden wurde schon unter „Popular Sire Syndrom“ abgehandelt. Die der Hündinnen sollte so ausgelegt sein, dass zwischen erfolgreichen Bedeckungen wenigstens ein Jahr liegt. Auch ein Erholungsjahr zwischen den Würfen wird angestrebt, denn unsere Hündinnen sind keine Gebärmaschinen! Überbeansprucht sinkt unweigerlich die Qualität der Welpen und das darf niemals passieren! Darum sind pro Hündin nur vier Würfe in ihrem Leben erlaubt.

 

Mit dem 7. Geburtstag erlischt die Zuchterlaubnis für Hündinnen Es kann aber eine einjährige Verlängerung beantragt werden, wenn ein tierärztliches Gesundheitszeugnis samt Unbedenklichkeitsbescheinigung für eine weitere Zuchtverwendung vorgelegt wird. Abschließend entscheidet die Zuchtkommission mehrheitlich.

 

Mit dem 8. Geburtstag erlischt die Zuchterlaubnis für Rüden. Es kann aber eine einmalige, in Ausnahmefällen auch zweimalige, einjährige Fristverlängerung beantragt werden, wenn ein tierärztliches Gesundheitszeugnis vorgelegt wird, samt Unbedenklichkeitsbescheinigung für eine weitere Zuchtverwendung und seine Samen besonders wertvoll sind. Abschließend entscheidet die Zuchtkommission mehrheitlich.

 

Datenerfassung:

Um auch langfristig den hohen Qualitätsstandard zu halten und noch weiter zu optimieren ist es unerlässlich, dass Unregelmäßigkeiten (Anomalien, Erkrankungen etc.) dem Zuchtbuchtamt gemeldet werden. Die Daten werden erfasst und ausgewertet. Je nach Ursache, Häufigkeit etc. können bei Bedarf entsprechende weiterführende Schritte die zukünftige Zucht weiter optimieren.

 

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